Costa Rica

Volunteering im tiefen Regenwald Costa Ricas

13. März 2015

Es waren noch knapp 3 Wochen bis zu meinem Abflug nach San Jose, Costa Rica, als ich bei einer heißen Schokolade auf die Idee kam ich könnte meine bevorstehende Reise mit etwas Freiwilligenarbeit verbinden. Nach einer kurzen Recherche fand ich allerhand spannende Angebote – für einen ungeheuren Preis und in extra für Touristen organisierten Gruppen. Nicht gerade das, was ich mir vorgestellt hatte. Immerhin wollte ich ja das „echte“ Costa Rica kennenlernen! Mit meinem sehr begrenzten Budget von nur 800 Euro für 4 Wochen Backpacking in Costa Rica, waren mir sogar die knapp 50 Euro Mitgliedsgebühren für WWOOFing zu viel und ich dachte mir: Das muss auch anders gehen! Voller Hoffnung setzte ich mich mit allen im Internet zu findenden Farmen in Costa Rica direkt in Kontakt und siehe da: Nach einigen Tagen bekam ich gleich drei Zusagen für einen Farmaufenthalt. Ich habe mich für die „Cabanas Siempre Verde“ in Mastatal, einem winzigen Dorf mitten im Regenwald, weit weg von jeglicher Stadt, entschieden. Zwar fand ich keinerlei Fotos im Internet und hatte absolut keine Ahnung was auf mich zukommen würde, aber die Mails waren freundlich und hilfsbereit und ein Abenteuer garantiert.

Mitte August ging es also los. Vollkommen übermüdet landete mein Flieger in San José. Mit meinen praktisch nicht vorhandenen Spanischkenntnissen schaffte ich es mir ein Taxi zum Bus Terminal zu organisieren, von wo aus es mit einem klapprigen Bus voller Einheimischer Ticos in das kleine Städtchen Puriscal ging. Von Puriscal aus musste ich einen Bus erwischen, der nur einmal täglich von einer nicht gekennzeichneten Bushaltestelle losfuhr. Vielmehr hieß es in der Mail von Marcos, dem Farmer, der Bus würde gegenüber einem Supermarkt halten. Dumm nur, dass es gleich zwei Supermärkte gab. Leicht panisch fragte ich einige Ticos auf der Straße, welche mir alle unterschiedliche Dinge erzählten und entschied mich dann dazu vor dem größeren der Supermärkte auf den Bus zu warten. Ich muss zugeben ich war nicht gerade überzeugt davon am selben Tag noch bei der Farm anzukommen. Etwas weiter bemerkte ich eine Backpackerin in meinem Alter, die anscheinend auch auf einen Bus zu warten schien und so machte ich Bekanntschaft mit Tomke. Wie der Zufall es so wollte ist sie mit dem Selben Flieger wie ich geflogen und wollte ebenfalls zur Finca Siempre Verde. Plötzlich kam eine Familie auf uns zu und fragte uns, ob wir vielleicht nach Mastatal wollten. Wir nickten etwas scheu und schon saßen wir in einem verbeulten Auto auf dem Weg nach Mastatal. Die abenteuerliche Straße fiel nach rechts ab und der Nebel wurde so dicht, dass man keine 20m weit sehen konnte. War ich froh hier nicht mit einem überfüllten, gelben Schulbus entlang brausen zu müssen!
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Es regnete in Strömen, als Marcos (26) uns am Eingang der kleinen Farm willkommen hieß. Er und seine kleine Schwester (21) führten mit ihren Eltern die Farm, welche sie vor 35 Jahren gekauft hatten. Es gibt einen kleinen Gemüsegarten, eine Kaffeeplantage, einige Schweine, Hühner, Pferde, Kühe und einen kleinen Hund. Doch Marcos ganzer Stolz ist die Lodge: Ein komplett aus Holz gebautes, zweistöckiges, offenes Gebäude, welches in der Zukunft als Guesthouse dienen soll. Von der riesigen Terrasse hat man einen fantastischen Ausblick auf den Regenwald im Tal. Als ich dort ankam war die Lodge allerdings noch nicht fertig gebaut. Tomke und ich würden zusammen mit Emily, einer Freiwilligen aus den USA, die schon seit 3 Monaten auf der Farm helfe, und den 3 anderen Volunteers (ebenfalls aus den USA) in der Lodge schlafen. Die Toilette ist ebenfalls ernennenswert. Sie befand sich in einer kleinen Holzhütte 100m von der Lodge entfernt – ein Loch im Boden mit einem Holzsitz verdeckt. Nach vorne hin war die Hütte offen, sodass man selbst von dort die wunderbare Landschaft genießen konnte, solange man die Kakerlaken auf dem Boden ignorierte.
Als Küche diente eine überdachteTerasse mit Tisch, Ofen und Herd. Dort würden alle gemeinsam Essen und kochen. Eine Hängematte sowie ein Schaukelsthl fehlten natürlich auch nicht.

Nun zu der Arbeit. Ein typischer Arbeitstag begann um 8 Uhr morgens und endete gegen 1 Uhr mittags. Auf der Farm fiel allerhand verschiedene Arbeit an und so war kein Tag wie der andere. Das erste Projekt, welches Tomke und mir gegeben wurde, war: Baut eine Holztreppe, ca. 1,5m hoch und ich schrägem Winkel. Marcos zeigte uns kurz wie Säge, Bohrer, Schleifmaschine und Co. Funktionierten und ließ uns mit ein paar Baumstämmen alleine. Ich habe zwar schon einiges mit Holz veranstaltet, aber eine komplette Treppe alleine bauen – das hätte ich mir nicht zugetraut. Tomke schien ebenfalls etwas ratlos. Wir begannen also ohne Ahnung das Holz zu messen, zu schneiden, zu schleifen. Und tatsächlich, am dritten Tag war eine stabile, schöne Treppe für die Lodge geboren. Die komplette erste Woche verbrachte ich mit Holzarbeiten, woran ich großen Gefallen fand. In der zweiten Woche hieß es eine Kaffeeplantage zu errichten. Wir sollten ein Loch graben, einen einsetzen und es wieder zuschütten. Und das an die 800 Mal! Eine verdammt schweißtreibende Arbeit! Da ich in der zweiten Woche von Kopf- und Bauchschmerzen, sowie Schwindelanfällen und etwas Fieber geplagt wurde, wurde ich von der härteren Arbeit verschont und durfte die neuen Holzarbeiten lackieren und Schilder bauen. Zwischendurch hieß es dann auch mal Unkraut jäten oder den Gemüsegarten aufräumen. Alles in Allem hat die Arbeit unglaublich viel Spaß gemacht und die in Costa Rica stark vertretene Tico-Time (Pünktlichkeit kennt man in Costa Rica kaum) schaffte auf der Farm eine entspannte und fröhliche Atmosphäre. Sicherlich trugen auch die 4 sich immer wiederholende Costa Ricanische Songs von Marcos Handy dazu bei.

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Im Gegenzug für unsere Arbeit bekamen wir Unterkunft und Essen. Der Großteil der Lebensmittel kam vom eigenen Anbau und so wurden wir alle zeitweise zu Veganern. Mindestens einmal am Tag gab es Gallo Pinto (Reis mit Bohnen), die Nationalspeise Costa Ricas, dazu Süßkartoffeln, Karotten, Suppen oder Pasta. Marcos Schwester Carol half beim Kochen, einmal gab es sogar echte Steinofenpizza. Das Essen war wirklich gut, trotzdem haben wir auf den Schokoladen-Verkäufer von der Cocoafarm nebenan sowie den Früchte-Verkäufer jeden Donnerstag sehnsüchtig gewartet.

Die Wochenenden und Nachmittage hatten alle frei. Die Zeit wurde so gut es geht zum entspannen oder die Gegend erkunden genutzt: Ein Spaziergang ins Dorf, wo man von den Ticos freundlich gegrüßt wurde; ein kleiner Ausritt runter zum Fluss, der sich versteckt in einer Schlucht entlangwandt; eine Wanderung im Nationalpark La Cangreja; unsere Spanischkenntnisse auf Vordermann bringen oder einfach mit einem Buch in der Hängematte liegen. Da es jeden Nachmittag für ein bis zwei Stunden regnete, habe ich viel Zeit mit Lesen und Schreiben verbracht. Einmal holten uns Marcos Freunde mit einem Pickup ab und es ging in einen schäbigen Nachtclub im nächsten Dorf. Was für eine Abwechslung mal nur zu fröhlicher Musik Salsa tanzende Menschen zu sehen! Über das Bier kann ich mich auch nicht beklagen.
Das Highlight war wohl ein Besuch bei der benachbarten Cocoafarm, auf welcher frische und rein natürliche Schokolade hergestellt wird und wo man als Besucher seine eigene Schokolade kreieren kann.
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Marcos liebt die Umgebung seiner Farm und verbringt die Abende damit, nach seltenen oder nachtaktiven Tieren zu suchen. Er nahm Tomke und mich einmal mit in den Regenwald bei Nacht. Wirklich unheimlich, wenn man bedenkt, dass es in Costa Rica 18 Arten von Giftschlangen, und diverse giftige Spinnen und Skorpione gibt. Zudem in einem Regenwald wo man Handy-Empfang nicht kennt und kein vernünftiges Krankenhaus weit und breit zu finden ist! Wie zu erwarten bekamen wir auf der Nachtwanderung nicht eines dieser Viecher zu Gesicht, statt dessen konnten wir bunte Frösche, unter anderem einen blauen Pfeilgiftfrosch, einige Vögel und gruselig aussehende Insekten bewundern.
Eine Schlange bekam ich nur einmal auf dem Weg zum Toilettenhäuschen bei Nacht zu sehen.

Meine 2 Wochen in den Cabanas Siempre Verde vergingen wie im Flug. Ich habe so viele neue Dinge ausprobiert und gelernt, die Farm und Marcos ins Herz geschlossen und das wahre Gesicht Costa Ricas kennengelernt. Dass ich bei meiner Abfahrt um halb 5 Uhr morgens eine Stunde am Straßenrand auf den einzigen und verspäteten Bus Richtung San José warten musste, habe ich nur mir selbst zu verdanken: Ich hätte inzwischen wissen müssen, dass auf Costa Rica Tico-Time herrscht!




Wie organisiere Ich selbstständig einen Volunteering-Aufenthalt?

Mit einer Organisation Freiwilligenarbeit im Ausland verrichten kann jeder! Doch dieser Weg ist entweder mit sehr hohen Kosten oder langwierigen Bewerbungen verbunden. Außerdem verbringt man den Großteil des Tages ausschließlich mit anderen Volunteer und man bekommt das Zielland aus den Augen des Massentourismus mit. Wer sich sicherer mit Organisation fühlt sollte darauf keinesfalls verzichten, doch wer ein waschechtes ABenteuer sucht und wenig Geld in der Tasche hat kann mit genau so viel Aufwand freiwillig auf Farms, in Schulen oder anderswo helfen:

Recherchiere im Internet nach englischen Begriffen wie beispielsweise „Costa Rica organic Farm“, „Costa Rica Farmstay“, „Costa Rica Volunteering Farm“

– Suche auf den Internetseiten ofizieller Volunteering-Organisationen nach konkreten Farmen/Schulen, die Orte dieser. Du wirst merken, dass im Großen und Ganzen alle das Selbe anbieten . Bin so auf einige Internetseiten von den Farmen selbst gestoßen

Mails schreiben, dass es kracht! Und wenn nach 5 Tagen keine Antwort kommen sollte nochmal schreiben. Mehr als ein Nein kann nicht kommen und manchmal wissen (in meinem Fall) die Farmer vielleicht eine andere Farm bei der du dich melden könntest

-Nachfragen, ob man für ein wenig Geld volunteeren kann – ist noch immer 1000x günstiger als bei Organisationen und so weiß man wo sein Geld landet
-die Webseite helpx.net ist eine Community, in welcher Farmer, Schulleiter oder auch einfach Familien eine Art Stellengesuch für Volunteers weltweit ausschreiben. Einfach anmelden und in Kontakt treten!

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