Indien

Udaipur – Das Venedig Indiens?

16. Mai 2015

An was genau denkt man zuerst, wenn man Venedig hört?
Romantik? Wasserstraßen? Gondeln?
Und welche Gedanken fallen dir zu Indien ein?
Menschenmassen? Hupende Fahrzeuge? Kühe?
Wie soll das eigentlich alles zusammenpassen?! Die Frage stellte auch ich mir, als ich das erste Mal den Vergleich zwischen Venedig und Udaipur hörte.

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Nun, Udaipur zählt als eine der schönsten Städte Indiens. Die Inder schwärmen regelrecht von ihrer Schönheit. Einzigartig hier sind die unzähligen „Havelis“, alte Paläste, in denen früher wohlhabende Fernhändler oder Bedienstete, die dem König nahe standen, hausten. Die Stadt umschließt mehrere Seen, daher der Vergleich mit Venedig.

Doch ist der Vergleich angemessen? Fangen wir mit der Romantik an. So gerne ich den Indern ein Venedig wünschen würde ist Romantik hier irgendwie nicht zu finden. Sie ist überall in Indien nicht zu finden. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Venedig vielleicht auch deswegen so schön ist, weil man in aller Ruhe durch die engen Gassen spazieren kann, ohne aufpassen zu müssen, dass keine hupende Rickscha einem das Leben nimmt.

Doch man muss den Spruch ja auch nicht für bare Münze nehmen. Denn trotzdem ist Udaipur sehenswert. Und wenn eine Stadt den Titel „Venedig Indiens“ verdient hat, dann Udaipur!

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Es gibt wirklich schöne Ecken. In den kleinen engen Gassen der Altstadt findet man überall Malereien an den Häusern. Oft abgebildet sind Elefanten, ein altes Symbol der Macht.
Das liegt vor allem daran, dass es viele Künstler in Udaipur gibt. Ein Art Shop reiht sich an dem nächsten, zwischendurch immer mal wieder ein Schneider oder andere Handicraft Shops, die unterschiedlichste Dinge herstellen.

Künstlerisch ist auch die allabendliche Vorführung im Bagore Ki Haveli: Verschiedene traditionelle Tänze, wie sie vor allem in der Vergangenheit in Rajasthan vorkamen, werden dort gezeigt. Eine tolle Show, welche man nicht verpassen sollte.

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Eines Tages stießen wir auf einen Ayurveda Arzt. Ayurveda ist eine traditionelle Heilkunst, welche in Indien, Sri Lanka und Nepal Anwendung findet. Der Arzt war ein alter, muslimischer Mann, der damals auch im Golfkrieg Soldaten versorgt hatte. Nun hat er eine kleine, „Praxis“, in der er umsonst Menschen behandelt. Sie ist in einer kleinen Seitenstraße gelegen und verdient nicht wirklich den Namen Praxis, denn eigentlich gibt es dort keinerlei Möglichkeit, Patienten zu behandeln. Vielmehr ist die kleine, dunkle Räumlichkeit gefüllt mit allerlei unaufgeräumten Krempel und es gibt keinen Indiz dafür, dass sich dort ein Arzt verstecken könnte. Auch deshalb, weil man in seiner garagenähnlichen Praxis keine medizinischen Gerätschaften findet, sondern lediglich ein paar Schubladen, einen Kühlschrank und einige alte Regale.
Menschen kommen zu ihm, schildern die Beschwerden und daraufhin gibt er ihnen Medizin und berät sie, wie sie diese zu verwenden haben.
Zum Einsatz kommen einfache Stoffe: Er verwendet Gewürze, die er auf dem Markt kauft und Pflanzen, die er im Dschungel sucht. Anschließend mixt er verschiedene Zutaten, die dann das Leid seiner Patienten mindern sollen.
Angeblich könne er Nierensteine auch innerhalb von einer Stunde entfernen und nur anhand des Ganges einer schwangeren Frau deuten, ob sie einen Jungen oder ein Mädchen gebären wird.

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Während unseres Aufenthalts in Udaipur entschieden wir uns außerdem dazu, einen indischen Kochkurs zu besuchen.
Eine der besten Kochkurse bot Shashi an. Sie ist eine ältere Frau, welche ein recht wohlhabendes Leben führt, da sie der höchsten Kaste (Brahmanen) angehört.
Seit fünf Jahren entlüftet sie die Geheimnisse, wie man unglaublich leckere indische Spezialitäten zubereitet. Wir lernten unter Anderem wie man sich seinen eigenen Chai macht, unterschiedliche Currys kocht und versuchten uns an der Kunst, Chapatis und Naan herzustellen. Nach 4,5 Stunden Kochen stand uns dann eine riesige Auswahl an Essen bereit: Paneer Butter Masala, Pakora, Chutney, Palau und noch eine Menge anderer Leckereien.

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Also, lieber nach Venedig?

Udaipur lohnt sich auf jeden Fall. Es war die bisher schönste Stadt, die wir in Indien gesehen hatten.  Bei einem abendlichen Spaziergang am See kann man die beleuchteten Paläste bewundern. Hier fühlt man sich als wäre man mitten im Orient. Durch diese Tatsache muss sich Udaipur keinesfalls verstecken und einen Vergleich mit Venedig suchen. Die Stadt ist auf eine andere Weise besonders – und das ist auch gut so.

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2 Kommentare

  • Reply Nicola 2. Juni 2015 at 19:55

    Bei Venedig denke ich zwar meistens eher an Taubendreck, ziemlichen Gestank und Touristenmassen – aber das hier sieht so was von magisch und aufregend aus! Und ich bin sehr neidisch auf eure Naan-Künste; das wollte ich immer schon mal können… 🙂

    • Reply Chris 17. Juni 2015 at 19:02

      So kann man Venedig natürlich auch sehen, das stimmt! Natürlich hat jede Stadt so seine Vor- und Nachteile.
      Ja, zurückblickend war Udaipur auch echt schön und eine schöne Abwechslung zum typisch hektisch- und stressigen Indien. Unsere Naan Künste müssen sich jedoch auch erst einmal beweisen 😉 Mal sehen, ob’s alleine auch so gut klappt wie im Kochkurs!

    Kommentieren? Sehr gerne!

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