Philippinen

Philippinen – Wo die Menschen glücklich sind

30. Dezember 2014

Wer schon einmal in Südostasien unterwegs gewesen ist, kennt das Bild:  Menschen sitzen im Schatten vor der Tür, spielen Karten, trinken Bier, schlafen auf dem Boden. Kinder springen auf der Straße herum, füttern die Kampfhähne, welche am Straßenrand in simplen Drahtkäfigen gehalten werden. Man kann die Frauen beim Waschen der Wäsche an der einzigen Wasserpumpe weit und breit beobachten. Dazwischen Motorroller, Müll und streunende Hunde. Ein ganz alltägliches Bild – auch auf den Philippinen.

„Wenn mir etwas klar geworden ist auf meiner Philippinenreise, dann, dass es beim Reisen nicht in erster Linie darum geht etwas zu sehen. Vielmehr geht es um Begegnungen. Menschen. Momente, die man mit Anderen, Fremden teilt.“

Die Philippinen werden von den meisten Reisenden in Südostasien gerne übersehen. Dabei hat dieses Land – neben den absolut traumhaften Stränden – etwas zu bieten, was wohl keines der typischen Reiseziele in dieser Gegend zu bieten hat: Die Tatsache, dass man mit der Bevölkerung unweigerlich direkt in Kontakt kommt; glückliche, offenherzige Menschen.

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Wer kennt es nicht? Man reist um die halbe Welt um einen Traumstrand, ein beeindruckendes Gebäude oder einen ganz bestimmten Ort zu sehen. Ist man dann dort, ist es ganz schön, aber etwas fehlt! Wenn mir etwas klar geworden ist auf meiner Philippinenreise, dann, dass es beim Reisen nicht in erster Linie darum geht etwas zu sehen. Vielmehr geht es um Begegnungen. Menschen. Momente, die man mit Anderen, Fremden teilt.

Nun sagst du wahrscheinlich: Aber in Thailand letztes Jahr, habe ich doch auch mit den Thais geredet! Was soll da auf den Philippinen so anders sein? Ich erinnere mich an Vietnam. Ich hatte dort täglich mit Vietnamesen gesprochen – Hotelbesitzern, Touranbietern, Marktverkäufern, Busfahrern. Menschen, die in der Tourismusbranche arbeiten, die mit uns Touristen ihr Geld verdienen, die uns etwas verkaufen wollen. Sobald wir dann aber nicht mehr als potenziellen Kunden/Käufer empfunden wurden, verschwand das Lächeln vom Gesicht und wir wurden wortlos stehen gelassen. Am Ende der Reise hatte ich kaum ein Wort mit einem Einheimischen gesprochen, der nicht in eine dieser Kategorien fällt. Ich habe das wahre Gesicht der Bevölkerung nicht kennengelernt.

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Doch nun zurück auf die Philippinen. Ein Taifun macht die Gegend unsicher, der Hafen ist geschlossen. Wir sind gestrandet und das ausgerechnet in Cebu. Cebu ist hässlich. Laut. Groß. Wir langweilen uns und halten es nicht mehr in unserem stickigen, dunklen Zimmerchen aus. Wir schnappen uns unsere Kamera und laufen drauf los. Ziemlich schnell stresst uns der Verkehr, das Gehupe und wir flüchten in eine Seitengasse. Schon angenehmer! Ein wahrhaftig gigantisches Netz an winzigen Gassen erstreckt sich vor uns und schon bald haben wir jegliche Orientierung verloren. Kleine Holzhüttchen zierten den Straßenrand; Hauseingänge, die zu Kiosks umfunktioniert wurden. Je weiter wir gehen, desto seltener werden die Holzhäuser. Sie machen improvisierten Zelten aus Plastikplanen Platz. Müllhalden. Bretterbuden. Nicht gerade ein Ort wo sich viele Touristen hinverirren. Mir ist nicht ganz wohl, ich halte meine Kamera fest umklammert. Ich fühle mich beobachet. Auch hier spielt sich das Leben tagsüber auf der Straße ab.

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Wir suchen gerade einen Weg zurück zu den plötzlich so luxuriös wirkenden Holzhäusern, als wir ein freudiges „Hello! Hello!“ hörten. Links von uns sitzt ein grinsender, voll tätowierter Filipino, so um die 30 Jahre alt, vor einer kleinen Holzhütte. Er zeigt auf eine Holzbank ihm gegenüber, wir nehmen unsicher Platz. Sofort kommen zwei kleine Kinder hergelaufen und strecken die Hände nach Geld aus. Der Filipino schickt sie forsch davon und entschuldigt sich für sie; die Situation ist ihm sichtlich unangenehm. Dann beginnt er uns mit leuchtenden Augen auszufragen (man muss eher sagen: er fragt Chris aus. Denn auch hier wird in erster Linie der Mann angesprochen und beachtet!): Wo wir herkommen. Wie alt wir sind. Wie lange wir schon reisen. Wie uns sein Land gefällt. Dann erzählt er von sich. Wir erfahren, dass er Charlton heißt und in einem Callcenter tätig ist. Er müsse auch gleich zur Arbeit, aber Eines wolle er uns noch zeigen. Stolz zaubert er einen nicht all zu alten, aber dafür überdimensionalen Laptop aus seiner Hütte. Nächste Woche würde ein bekanntes Straßenfestival in Cebu gefeiert, er zeige uns die Fotos von letztem Jahr. Bevor wir uns von Charlton verabschieden lädt er uns ein das Festival mit ihm und seiner Familie zu feiern. Er winkt uns grinsend hinterher, bis wir außer Sichtweite sind.

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Eine Ecke weiter, in einer so schmalen Gasse, dass man kaum hindurch passt, werden wir plötzlich erneut aus einem Hauseingang heraus gegrüßt. Sofort eilt ein Männchen heraus und meint wir sollen doch herkommen, er würde mit seinen Freunden ein typisch philippinisches Brettspiel spielen. Und tatsächlich: Eine Hand voll Filipinos sitzt im Kreis um ein Karobrett herum. Spielsteine und Geldscheine liegen verteilt auf dem Boden. Das Männchen lächelt.“ Take photo! Take photo!! But don’t put it in newspaper. Gambling illegal in Philippines!“. Ein Anderer in der Runde fragt etwas schüchtern, mit einem Blick auf die Kamera, ob wir von National Geographic seien. Wir verneinen lachend und er entspannt sich. Nach einem kleinen Plausch und dem vergeblichen Versuch uns die groben Spielregeln zu erläutern  wenden sie sich wieder dem Spiel zu.

„Ein Anderer in der Runde fragt etwas schüchtern, mit einem Blick auf die Kamera, ob wir von National Geographic seien. Wir verneinen lachend und er entspannt sich.“

Ich beginne mich zu entspannen, zu lächeln. Die Leute zu grüßen. Mich nicht von Vorurteilen einschüchtern zu lassen. Die Filipinos grüßen und lächeln zurück. Kinder kommen in regelmäßigen Abständen angerannt und posieren stolz für ein Foto. Dafür Geld zu verlangen – wie es beispielsweise in Indien der Normalfall ist – würde ihnen überhaupt nicht einfallen. Stattdessen begutachten sie das Resultat zusammen ganz begeistert und wollen ein zweites, drittes, viertes Foto. Obwohl einige unter ihnen barfuß sind und löcherige Kleidung tragen, lachen, grinsen und blödeln sie herum als hätte ich ihnen einen Schokoladenkuchen gereicht. Aber nicht nur die Kinder sind hier fotogen – auch die Erwachsenen scheinen uns unbedingt um ein Foto von sich bereichern zu wollen, seien es die zwei jungen Frauen, die ganz begeistert von Chris sind, oder die älteren Herren, die im Schatten gemeinsam ein Bierchen trinken. Als wir ihnen ihre Fotos zeigen freuen sie sich wie die Kinder zuvor und luden uns ein mit ihnen zu sitzen.

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„Hier wirst du nicht als wandelnde Geldbörse gesehen, hier wirst du noch als Mensch gesehen.“

Auf den Philippinen ist es praktisch unmöglich mit den Einheimsichen nicht in Kontakt zu kommen. Die Filipinos sind unglaublich interessiert, warmherzig und offen. Anstatt, dass sie mit allen Mitteln versuchen einem das Geld aus der Tasche zu ziehen, teilen sie mit Einem das, was sie gerade haben. Sei es ein Bier oder einfach nur die Langeweile. Hier wirst du nicht als wandelnde Geldbörse gesehen, hier wirst du noch als Mensch gesehen.

Zu Hause liest man nur von Erdbeben, Raubüberfällen, Morden. Doch gerade in diesem Land habe ich so viel Herzlichkeit, Offenheit und ehrliche Freundlichkeit von wildfremden Menschen erlebt wie selten zuvor! Hier trifft Mensch auf Mensch, ganz gleich wie viel oder wenig Geld er in den Taschen hat.

Nun, was können wir von den Filipinos lernen? Vieles. Gerade wir unzufriedenen Deutschen, die immerzu in Ruhe gelssen werden wollen, sollten das. Die Gastfreundschaft. Die Offenheit. Die Gelassenheit. Und allem voran das Lachen können, egal wie schlecht es einem wirklich geht.

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