Indien

Happy Holi! – Das Holi Festival in Vrindavan

13. März 2015

Das Holi Festival ist eines der wichtigsten alljährlichen Feierlichkeiten für Hindus. Das „Fest der Farben“ ist zudem eines der ältesten Indiens.
Gefeiert wird es traditionell in allen Teilen Indiens und Nepals, wobei der Begriff „Holi“ in Nordindien und Nepal Erwähnung findet.

Um das Holi in Indien feiern zu können hatten wir einen einwöchigen Zwischenstopp dort eingeplant bevor es weiter nach Kathmandu ging. Denn wenn wir dieses Jahr schon die Möglichkeit hatten bei diesem Fest in Indien dabei zu sein dann wollten wir sie auch ausnutzen!

Holi 21


Das Fest dauert mindestens zwei und maximal 10 Tage an. Im Normalfall gibt es aber zwei „Haupttage“. Am ersten wird Holika verbrannt.
Um die Geschichte bestmöglichst zu verstehen zitiere ich aus Wikipedia:

„Der kindliche Prinz Prahlada sollte von seinem Vater überredet werden, ihm alle göttliche Ehre zu erweisen, der Junge jedoch verehrte weiterhin nur Vishnu. Mit verschiedenen Mitteln versuchte nun der König seinen Sohn zu töten, jedes mal jedoch griff Vishnu selbst ein und rettete das Kind. Schließlich griff der König zu einer List: Seine Schwester Holika, die durch besondere Kräfte vor dem Feuer geschützt war, sollte mit Prahlada auf dem Schoß ins Feuer springen und ihn so verbrennen. Aber die Flammen verschonten das Kind und von Holika blieb nur ein Häufchen Asche.“

Aus diesem Grund wird das Holi Fest gefeiert, der Sieg des Guten über das Böse. Jedoch sind auch andere Legenden weit verbreitet.

 Holi 06 Holi 08Unser Gastgeber Vipul


Wir feierten das Holi in Vrindavan, etwa zwei Stunden von Delhi entfernt. Hier, in der Nähe von Mathura, wo die Gottheit Krishna geboren wurde, wird das Fest der Farben auch aus einem anderen Grund gefeiert.
Lord Krishna (Wer hier an die Sekte Hare Krishna denkt hat richtig geraten, die hat hier nämlich einen eigenen, großen Tempel) verbrachte seine Kindheit in Vrindavan und Mathura und beschwerte sich einst bei seiner Mutter, dass er blau war, die anderen Menschen und speziell seine Geliebte Radha jedoch hellhäutig. Seine Mutter riet ihm, Radha einfach mit Farbe zu beschmieren. Krishna setzte den Vorschlag in die Tat um. Weil er gerne Streiche spielte warf er jedoch auch Farbpulver auf andere Menschen und machte so alle Menschen gleichermaßen bunt.

Und das ist auch heute der Sinn des Holis. An diesem Tag sind alle Menschen gleich, egal von woher sie kommen, welcher Kaste sie angehören oder ob sie jung oder alt sind. Gerade aus diesem Grund gefällt uns sehr die Geschichte mit Lord Krishna.


Auf Vrindavan stießen wir im Internet, da hier wohl einer der besten Orte in ganz Indien sei, um das Fest der Farben zu feiern. Da wir zuvor nie in Indien gewesen sind, suchten wir auf Couchsurfing.org nach Jemandem, der in Vrindavan wohnte und uns zum Festival mitnehmen würde. Ziemlich schnell meldete sich Vipul, 22. Er hatte die Jahre zuvor für das Holi schon Touristen zu sich eingeladen. Auch dieses Jahr plante er eine Gruppe zusammenzustellen um das Fest der Farben gemeinsam zu feiern. Daraufhin sagten wir zu!

Als wir in Vrindavan ankamen deckten wir uns zu allererst mit indischer Kleidung ein; dann lernten wir Vipul kennen. Bei einem gemütlichen Abendessen lernten wir den schon angereisten Teil der ziemlich internationalen Gruppe kennen. Der Rest trudelte am Folgetag ein.

Holi 02Typischer Farbverkäufer in den Straßen von Vrindavan


Insgesamt waren wir um die 25 Leute. Am ersten Tag, an dem Abends Holika verbrannt wird war das „Holi Feeling“ auf den Straßen schon zu spüren: Überall wurde Farbpulver verkauft und gelegentlich wurde man auch schon mit Farbe verziehrt. So manche kamen schon an diesem Tag kunterbunt im Guesthouse an.

Wir alle waren sehr gespannt, wie der nächste Tag verlaufen würde. Denn dann sollte ganz Vrindavan voller Menschen sein, die zusammen ausgelassen dieses fröhliche Fest feiern.
Einige tauschten sich noch darüber aus, wie sie am besten ihre Kamera oder ihre Wertgegenstände schützen sollten, wir wurden vorgewarnt es würde SEHR bunt und SEHR nass werden.
Auch wenn man mit einer guten Kamera unglaublich viele Möglichkeiten hat sehr gute Fotos zu machen, wir beschlossen Unsere lieber im Guesthouse zu lassen, denn wir waren mit Handy, GoPro und meiner alten Digitalkamera gut genug ausgestattet.


Holi 07


Der nächste Tag: Wir trafen uns alle um 7 Uhr morgens vor dem Guesthouse und zogen zusammen zu einer Location, die Vipul gemietet hat.
Dort verbrachten wir die ersten Stunden des Tages mit Frühstücken und Einstimmen auf das Fest, das uns auf den Straßen erwartete.

Vipul hatte ein paar Säcke voller Farbpulver gekauft, jeder bewaffnete sich mit einem Beutel Farbe. Danach zogen wir los in die Stadt.

Und dort wurde das Holi dann ausgelassen gefeiert. Alle Menschen waren auf der Straße, von jung bis alt. Der Boden war schon morgens ganz eingefärbt mit rosa Farbe. An jeder Straßenecke wurde man mit traditioneller Musik, Trommeln und Kapellen beschallt. Sobald man Jemandem über den Weg läuft schmiert man sich gegenseitig Farbe auf die Stirn und Wangen oder rieselt sie über den Kopf. Im Gedrängel wirft man die Farbe einfach hoch in die Luft. Die Kinder sind alle mit Wasserbomben und -Pistolen bewaffnet und lassen kein Ziel aus. Das Wasser lässt die Farben erst recht zum Leuchten bringen! Oft ist das Wasser auch schon mit Farbpulver gemischt. Außerdem musste man konstant auf der Hut sein keinen Wassereimer übergegossen zu bekommen, das machen die Kinder nämlich ganz besonders gerne. Durch dieses Gedränge bahnen sich gelegentlich auch Rickschas hindurch – deren Passanten entweder die Menschenmasse einfärben oder die verzweifelt versuchen unversehen hindurch zu kommen, was sie aber gerade eben zur Zielscheibe werden lässt. Gelegentlich liegt eine Kuh am Straßenrand, doch auch diese werden von den bunten Farben nicht verschont. Und nach jeder der unzähligen „Happy Holi“ Ausrufe war man noch etwas bunter und nasser!

Holi 11 Holi 12 Holi 15 Holi 16


Vor allem als Tourist ist man hier eine wandelnde Zielscheibe, gerade die Weiblichen bekommen besonders viel Farbe ab. Trotz Turban, Sonnenbrille und einem schützenden Tuch vor dem Mund hatte man immer wieder Farbpulver in Nase, Mund und Augen und musste sich einen Weg aus dem Gedränge bahnen. Irgendwie manageten wir es als Gruppe zusammenzubleiben. Nach einigen Stunden suchten wir in einer kleinen Gasse Schutz um verschnaufen zu können – nur um von den Fenstern der umliegenden Häuser aus attackiert zu werden.

Doch trotzdem war das Holi ein ausschließlich friedliches Fest, an dem man an diesem Tag nur glückliche und lachende Gesichter sieht. Auch wenn es teilweise drunter und drüber geht nimmt Jeder auf den Anderen Acht und der Umgang unter den Menschen ist stets respektvoll.

Nach dem Fest benötigte es zwar mehrfache Dusch-Durchgänge um die Farbe von Haut und Haaren entfernt zu bekommen, doch wir waren froh dabei gewesen zu sein! Mit den „Holi-Festivals“ in Deutschland hat das übrigens nichts im Geringsten zu tun; wir finden es sogar absolut unpassend diese nach einem so wichtigen, kulturellen, religiösen Fest zu nennen, nur weil auch Farbe geworfen wird!

Holi 09


Ist das Holi Festival sicher für weibliche Touristen?

Bevor wir uns dazu entschlossen das Holi in Indien mitzufeiern waren wir skeptisch. Als absolute Indien-Neulinge hatten wir die Zeitungsberichte von Vergewaltigungen im Hinterkopf und recherchierten erst einmal ob das Holi sicher sei. Im Internet fanden wir fast ausschließlich Negatives: Westliche Touristinnen warnten vor dem Holi, da sie dort zuvor anscheinend massiv bedrängt, angegrapscht oder angemacht worden seien. Da wir keinerlei Gegenbeispiele fanden, waren wir erst einmal ratlos.

Nach einigen Überlegungen entschlossen wir uns dennoch das Holi zu besuchen, immerhin konnten wir uns nicht vorstellen, dass die Zustände wirklich so dramatisch seien. Vipul, der uns per Couchsurfing kontaktierte, versicherte uns es sei sicher für Touristinnen. Also ließen wir uns darauf ein.

Im Nachhinein können wir sagen, dass das Holi nicht unsicherer als das Oktoberfest oder der kölner Karneval ist. Man muss sich natürlich bewusst sein, dass man für die Inder exotisch und -vor Allem als blonde Touristin – ein beliebtes Fotomotiv ist. Sehr viele Inder kommen her und wollen ein Foto von oder mit Einem machen. Beim Holi, wie auch im indischen Alltag, sind weitaus mehr Männer als Frauen zu sehen. Und diese wollen natürlich gerade die Touristen – weibliche aber auch männliche – mit Farbe versehen. Man wird an diesem Tag von 1000+ Händen an Wangen, Stirn und Hals angefasst. Berührungsängste sollte man auf alle Fälle zu Hause lassen.

Oft kommen auch Inder her und wollen Touristinnen umarmen. Das ist NICHT Tradition und sollte einfach abgeblockt werden. Sauer oder enttäuscht ist danach Niemand; manchmal blocken sogar andere indische Männer das ab und schnauzen den Übeltäter an.

Insgesamt wurde ich während dem Holi Festival nicht ein einziges Mal unangebracht angefasst. Niemand hat mich bedrängt, weder verbal noch physisch. Umarmungen bin ich einfach aus dem Weg gegangen und Fotos habe ich nur selten von mir machen lassen. Mir ist es sogar mehrmals passiert, dass ein Inder zu mir kam und um ein Foto bat und sogleich ein anderer Inder diesem sagte er dürfe kein Foto von mir machen oder ihn wegzog. Die Meisten Inder sind ausgesprochen höflich, rücksichtsvoll und eher schüchtern. Gelegentlich wurde mir das Farbpulver zu viel, da man als Frau kaum eine Minute hat ohne einen neuen Schwung abzubekommen. Soweit ich mitbekommen habe wurde keine Frau belästigt, nur einmal drückte wohl Jemand Farbpulver in den Mund einer Touristin, was wahrscheinlich aber nicht absichtlich war.


Wenn man einige Grundregeln befolgt dann sollte man wenig Probleme haben:

  • Trage auf alle Fälle indische, schulter- und kniebedeckende Kleidung (Übrigens generell in Indien, nicht nur beim Holi)! Ich hatte eine langärmlige Kurta und eine weite Stoffhose an, dazu ein Tuch um die Schultern.
  • Gehe nicht auf jeden Wunsch ein Foto mit dir machen zu lassen ein. Sobald das ein Anderer sieht will auch er ein Foto und ziemlich schnell hat man eine Schlange Inder vor sich stehen, die alle ein Foto mit dir wollen! Wenn dann der erste wagt einen Arm um deine Schultern zu legen, wollen die nachfolgenden das auch…
  • Halte dich wenn möglich von großen Gruppen indischer Männer fern und halte dich eher an die indischen Frauen. Gerade zum Holi wird viel Bhang und Alkohol getrunken, gehe also offensichtlich berauschten Gruppen aus dem Weg.
  • Falls dich doch Jemand betatscht oder dergleichen, dann fang an zu schimpfen und laut zu werden.
  • Schließe dich mit anderen Touristen zusammen und bleibt in einer Gruppe.

Genieße das Fest und begegne den Menschen mit etwas Humor und Freude, bring aber eine gewisse Grundvorsicht mit, dann sollte einem unvergesslichem Tag Nichts im Wege stehen!

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