Australien Tipps

Guide: Campervan in Australien

1. November 2014

Tipps zum Kauf | Camper für drei Personen

3,5 Monate standen wir auf einer Salatfarm um unseren Australienaufenthalt zu finanzieren. Da wir davor nicht durch Australien gereist sind stellte sich uns die Frage, welches Fortbewegungsmittel wir in Erwägung ziehen sollten.

Erst dachten wir darüber nach mit dem Bus und Flugzeug durch Australien zu reisen doch diese Art von Reisen ist mit vielen Nachteilen verbunden:

  • Hohe Reisekosten wenn man längere Zeit reist (Hostel, Transport)
  • Weniger Flexibilität
  • (fast) unmöglich in entlegenere Gebiete zu kommen
  • Für viele Jobs ist ein Auto essentiell
  • Abhängigkeit
  • Weniger Eindrücke während der Fahrt

Wenn man alleine durch Australien reist ist es ziemlich sinnlos ein Auto zu kaufen, da es doch mit hohen Kosten verbunden ist. Darunter fallen erst einmal die Anschaffungskosten, mögliche Reparaturkosten, Benzin, Versicherung, … 
Erst dachten wir darüber nach einen Combi für unseren Roadtrip zu kaufen, wie den Ford Falcon beispielsweise, ein sehr beliebtes Auto unter Backpackern. Jedoch würde man mit einem Combi zu dritt die Übernachtungskosten nicht ausschlagen.

Als wir dann nach dem Arbeiten für drei Wochen durch Neuseeland reisten kamen wir das erste Mal auf den Geschmack wie angenehm es wäre mit einem eigenen Camper Australien zu erkunden. Wir hatten einen Mazda Bongo von WickedCampers, ein ziemlich kleiner Camper für drei Personen, aber umso praktischer wenn man zu zweit reist.

Der Camper hatte kein Hi – Top und war ziemlich klein. Zu dritt wäre dieser Camper nicht für uns in Frage gekommen, weil auf längere Zeit das ständige Vorräumen der Rucksäcke ziemlich störend gewesen wäre. Das schlafen zu dritt ging, jedoch hatte man nicht wirklich viel Platz.


Unsere Kriterien waren:

Wir waren zu dritt, ziemlich ungünstige Ausgangslage also, da viele Camper dafür zu klein wären. Aus den Erfahrungen aus Neuseeland war uns auch klar, dass wir einen größeren Camper bräuchten, bestenfalls mit Hi – Top.

Ausrüstung:

Praktisch für einen Camper sind folgende Dinge:

  • High Top: Kann als „Hochbett“ benutzt werden, außerdem kann man bei schlechtem Wetter auch im Camper kochen
  • Stauraum: Viel Stauraum ist sehr sehr praktisch, vor allem auf längeren Reisen und beim arbeiten. Zu wenig Platz kann sehr störend nach einiger Zeit sein. Schaut beim Kauf auf jeden Fall, dass der Aufbau genügend Stauraum bietet (Schubladen, Stauraum unter dem Bett, Küche, Regal, …)
  • Küche“ oder zumindest eine Art Spüle, worauf man Dinge zubereiten kann und die genug Stauraum bietet, um Lebensmittel zu lagern
  • Radio: Mit Aux Anschluss oder Bluetooth ist auf jeden Fall angenehm auf langen Fahrten
  • (Zweite Batterie oder Solarzelle) : Auf jeden Fall sehr praktisch um Strom für Elektrogeräte oder einen Kühlschrank zu haben

Ganz wichtig ist – achtet eher auf die Funktionen, nicht auf die Ausrüstung! Denn Teller (ca. $3), Besteck ($3), Stühle ($7), Kocher (ca. $20), Tisch, … : all das kann man ziemlich preiswert bei K-Mart oder Ikea kaufen – es ist also nicht unbedingt essentiell.

IMG_3336 IMG_2954 Bilder von unserem Camper


Erfahrungsbericht, der euch helfen kann

Viele Backpacker kennen es: Ein Schaden bahnt sich an. Irgend etwas funktioniert nicht mehr so ganz, tropft oder ist seltsam – doch man scheut sich vor den Kosten. „Das geht schon wieder weg“
Wenn ihr merkt, dass etwas nicht stimmt, lasst lieber euer Auto checken. Denn Probleme oder Schäden lösen sich nicht von selbst – ein Erfahrungsbericht:

Wir kamen von den Fidschi Inseln zurück und bemerkten, dass wir schon ziemlich viel Geld von unserem Ersparten ausgegeben hatten. Vor Fidschi waren wir in Neuseeland und dort beschlossen wir, für unseren Roadtrip in Australien auch einen Camper zu kaufen.
Die Campersuche begann, Budget von uns – $4500.

Am ersten Morgen in Sydney fingen wir mit der Suche an. Camper gab es massenhaft, jedoch nicht viele, die für drei Personen in Frage kommen würden. Wir kontaktierten ein paar Verkäufer, darunter auch ein Paar, dass einen kleineren Camper anbot. Doch bei der Besichtigung wurden wir in unserer Meinung erneut bestätigt: Zu klein für drei Personen! Also wurde weiter gesucht.

Den nächsten Camper den wir uns anschauten war scheinbar perfekt, bis auf den Zustand. Auf den Bildern noch ganz in Schuss sah das bei der Besichtigung anders aus. Er rostete überall, viele Dinge waren kaputt bzw. nicht voll funktionstüchtig. Argumente für den Wiederverkauf – nicht vorhanden!
Der Camper hatte zwar eine Innenausstattung von der sich eigentlich nur träumen ließ aber auch die zeigte viel zu viele Gebrauchsspuren auf.

Nun standen nur noch zwei andere Camper in der näheren Auswahl, die wirklich tauglich für das reisen zu dritt wären. Als wir den nächsten besichtigten überzeugte er uns ziemlich schnell. Es handelte sich um einen Ford Econovan Maxi von 1985. Nicht gerade ein Neuwagen, jedoch hatte er auch erst knapp 140.000km. Die Funktionalität war perfekt für drei Personen abgestimmt und auch das Auto an sich machte einen gepflegten Eindruck.
Wir machten direkt eine Testfahrt und der Wagen lief richtig gut, keinerlei Anzeichen, dass etwas nicht stimmte. Der sonstige Laien – Allroundcheck (Ölstand, Reifen, Zustand, Kühlwasser) viel auch gut aus.
Zuvor sagte ich noch, dass wir aber, egal wie sehr uns das Auto überzeugen sollte, einen Check in einer Werkstatt machen lassen, denn ein solcher Check kostet in NSW $35 und das ist gut investiertes Geld. Doch die Verkäufer warteten bereits auf einen anderen potentiellen Käufer, der das Auto besichtigten wollte. Er wollte das Auto mit zwei anderen kaufen, welche bereits am morgen das Auto besichtigten und einem Kauf zusagten.
Was tun? Wir dachten an die anderen Camper – entweder sie waren in einem schlechten Zustand oder nicht das, was wir uns vorstellten. Also sagten wir kurzerhand zu. Schon am nächsten Tag sollten wir den Camper bekommen – für $4950.

Auf dem Rückweg dachte ich noch einmal darüber nach und mir fiel auf, dass wir uns gar nicht den kompletten Papierkram angeschaut hatten. Die Funktionalität und der Zustand überzeugten uns einfach so sehr, dass wir andere wesentliche Dinge vergaßen und uns durch den angeblichen Käufer dazu verleiten ließen schnell zuzusagen.

Es war zu spät. Wir mussten hoffen dass mit dem Auto alles in Ordnung sei.
Am nächsten Tag schauten wir uns nochmal alles an und übergaben das Geld, nun waren wir im Besitz unserer fahrenden vier Wänden!
Wir erledigten ein paar Einkäufe und fuhren zu einem Australier den wir vom Couchsurfing kannten, um vor seinem Haus die erste Nacht im Camper zu verbringen.

Am Folgetag ging es früh morgens zum RTA. Doch unser Camper wollte nicht so wirklich. Er würgte dauernd ab, startete nicht richtig. Auch mit dem Choke ging es nicht reibungslos, naja. Wir stotterten zum RTA um unseren Camper umzumelden, danach machten wir uns auf.

Die Startprobleme verfolgten uns über Wochen – bis wir in Warwick, QLD unseren ersten Breakdown hatten. Wir kamen aus dem Schwimmbad zurück und wollten auf einen Rest Area fahren, um dort zu übernachten. Doch unser Motor sprang nicht an. Zu dem Zeitpunkt waren wir auf Jobsuche und dann auch noch das!
Wir standen mitten in der Stadt vor dem Schwimmbad. Dort übernachteten wir die nächsten zwei Tage (es war Wochenende, also keine Werkstatt hatte offen)
Montags brachten wir unseren Camper dann in die Werkstatt – beziehungsweise wir ließen uns abschleppen! Denn obwohl die Werkstatt nur ein paar hundert Meter entfernt war konnten wir nicht dorthin fahren und schieben war aufgrund des Verkehrs auch nicht möglich.

Ein Tag später war unser Auto dann repariert und wir um $440 ärmer – neue Zündkerzen, Zündkabel und ein paar andere Kleinigkeiten. Die Ursache waren verölte und nasse Zündkerzen, außerdem waren manch andere Dinge wie zum Beispiel die Zündkabel stark veraltet. Wenigstens lief unser Auto wieder.

Zudem tropfte unser Auto ein wenig. Der Mechaniker dachte an die Wasserpumpe. Da es am Anfang nicht viel tropfte und auch die Temperaturanzeige bzw. der Kühlwasserstand sich nicht viel veränderte blieben wir erst einmal tatenlos. Als das Problem dann stärker wurde und unser Auto nach einer leichten Überhitzung wie verrückt tropfte gingen wir dann doch in die Werkstatt. Der Mechaniker vermutete eine defekte Wasserpumpe.

Die Wasserpumpe lässt das Kühlwasser durch den Motor zirkulieren, ist diese defekt zirkuliert das Wasser nicht mehr, der Motor wird also nicht mehr gekühlt und überhitzt. Das führt ziemlich schnell zum Motorschaden.

Doch er könne die Wasserpumpe erst am nächsten Tag bestellen. Und es könnte auch eine andere Ursache haben meinte er. Doch der Einbau der Wasserpumpe, die nicht sicher das Problem darstellte, würde $450 kosten. Außerdem hatten wir zu dieser Zeit einen Job, wären nicht zur Arbeit gekommen, was die Sache noch teurer gemacht hätte.
Es tropfte zwar wie verrückt, jedoch wurde der Motor gekühlt so lange Kühlwasser vorhanden war. Deswegen glaubte ich das mit der defekten Wasserpumpe nicht so ganz. Wir füllten erneut Wasser ein und fuhren von Bundaberg die 60 Kilometer zurück nach Gin Gin, wo wir arbeiteten – ohne Motorschaden. Dort angekommen kauften wir an der Tankstelle ein kleines Fläschchen, das sich „stop leaking“ nannte. Wir kippten es ins Kühlwasser und das tropfen hatte ein Ende – Problem gelöst! Und das für $10….

Ungefähr 6 Wochen und ungefähr 2000 Kilometer später auf dem Highway Richtung Cairns: Es regnete und dann plötzlich ein komisches Geräusch, wie aus dem nichts! Ich fuhr links an den Standstreifen, dachte erst an einen Platten. Doch der Reifen war intakt, ich versuchte den Motor wieder zu starten doch nichts ging mehr.

Die Stimmung war wieder im Keller – Kosten sollten wieder auf uns zukommen.
Mitten im Nirgendwo, zwischen Gordonvale und Cairns versuchte ich einen Abschleppdienst zu erreichen. Die meisten in Gordonvale waren „busy“ und konnten nicht. Einer riet mir es mit Cairns zu versuchen, das ca. 60 Kilometer entfernt war. Die Kosten, meinte er, würden sich auf ein „paar hundert Dollar“ belaufen. Na toll!
Schlussendlich fand ich einen billigen Abschleppdienst, welcher $160 kostete und uns nähe der Innenstadt zu einem Mechaniker brachte.

Nun mussten wir auf den nächsten Tag warten und buchten uns deshalb ein Hostel. Die Diagnose des nächsten Tages lautete gerissener Keilriemen und kaputter Zahnriemen, ca. $500. Gut, es führte kein Weg daran vorbei! Doch am Nachmittag kam erneut ein Anruf – Die Wasserpumpe sei auch undicht.

Und diese undichte Wasserpumpe war auch der Auslöser für die anderen Schäden. Denn durch das ständige Austreten von Kühlwasser wurden Keil und Zahnriemen feucht. Das scheinbar harmlose Tropfen brachte also einen erheblichen Schaden mit sich und wir hatten noch Glück. Denn der Zahnriemen hätte auch ganz einfach einen Motorschaden hervorrufen können.

Reparaturkosten: $990 + $160 abschleppen – macht $1150! Zu dritt tragbar, jedoch ärgerlich.

Von Cairns ging’s wieder Richtung Süden, 3000km Outback und dann noch der Weg nach Sydney. Also noch ca. 6000km zu fahren!

Zurück in Sydney hatten wir dann nochmals Probleme mit der Bremsflüssigkeit, was sich durch nachfüllen aber beheben ließ. Das Auto startete jedoch auch wieder etwas schlechter, der Zündkerzenwechsel war halt auch schon wieder knapp 11000km her.

Nun folgte der Autoverkauf. Damals bei der Ummeldung hatten wir eine Rego für ein halbes Jahr weniger als angegeben bekommen. Die Frau am Schalter meinte jedoch, dass die Rego schon für ein Jahr bezahlt wurde. Doch nun mussten wir den Check (in NSW auch Pink Slip genannt) machen lassen, um die Rego für das andere halbe Jahr zu verlängern.

Bei dem Check kam heraus, dass wir neue Reifen benötigten, zudem verreckte in der letzten Woche vor dem Verkauf noch die Temperaturanzeige, also mussten wir noch einmal $600 investieren.

Das Auto verkauften wir dann für $3700. Unter unseren Erwartungen, jedoch war die Nachfrage im australischen Winter leider nicht vorhanden. Wir hätten das Auto auch gut für $5000 wieder verkaufen können, jedoch blieb die Nachfrage um diese Zeit aus.


Kosten im Überblick:

Autokauf: – $4950

Reparatur 1: – $440

Reparatur 2: – $990

Abschleppdienst: – $160

Reparatur 3: – $600

neue Batterie: – $120

= – $7260

Benzinkosten (geschätzt): – $2100

= – $9360

Autoverkauf: + $3700

__________________

GESAMT $5660 für 3 Personen = $1890* für 129 Tage = $14,65* pro Tag!

* nicht inbegriffen ist: Verpflegung


Fazit:

Wenn man davon ausgeht, dass wir in unserem Beispiel relativ viel Geld für Reparaturen ausgegeben haben jedoch trotzdem nur $14,65 im Schnitt pro Tag ausgegeben haben ist mit dem Camper reisen auf jeden Fall viel viel günstiger!

Mit dem Betrag für Reparaturen wie in unserem Beispiel kann man jedenfalls eigentlich immer rechnen – die einen müssen die Rego verlängern, eine Versicherung abschließen, …
Wenn man Glück hat kann man hier jedoch auch Geld sparen.

Was wir auf jeden Fall gelernt haben, ist:

  • Scheu dich nicht vor Reparaturen! Warten und / oder ignorieren bringt nur mehr Schäden mit sich, was mit mehr Geld verbunden ist!
  • Schließe einen Roadsite – Assistance – Service ab! Für ungefähr $100 lohnt sich das schon oftmals bei der ersten Panne. Und fahren lässt es sich dadurch auch entspannter.

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