Fidschi

Homestay auf Viti Levu

7. November 2014
In diesem kurzen Bericht werde ich Eindrücke unseres 4-tägigen Aufenthaltes bei einer einheimischen Fijianischen Familie wiedergeben. Wir hatten den Home stay im Bamboo Hostel in Nadi angeklärt: Rico, der dort arbeitete lud uns zu seiner Familie auf dem Land ein!

Die Ankunft
Da standen wir nun! Am Steg der Fähre in Natovy Jetty, mitten im Nirgendwo, ohne jede Spur von Ricos Verwandschaft. Die erste Viertestunde waren wir noch sicher, dass wir abgeholt würden und dieser Jemand sich einfach etwas verspätet hatte, immer hin war auf Fiji ja „Fiji Time“ angesagt. Nach einer weiteren Viertelstunde wurde uns langsam mulmig zu Mute und wir sprachen den gemütlichen Polizisten in seinem kleinen Polizeihäuschen an. Er war freundlich und wollte uns helfen. Was für ein Glück, dass wir Ricos Telefonnummer parat hatten! Der Polizist schien glücklich endlich etwas zu tun zu haben und telefonierte munter drauf los. Wir waren uns nicht ganz sicher, ob er unser Problem verstanden hatte, doch tatsächlich tauchte irgendwann unsere Rettung auf: Terry, ende zwanzig und in Ricos Familie eingeheiratet.

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Die Unterkunft
Terrys und Ricos Familie wohnt am Rande der Straße, weit entfernt vom nächsten Städtchen, in zwei flachen und kleinen Holzhüttchen. In der „Haupt-Hütte“ hausieren 4 Familienmitglieder und in der zweiten zwei. Vor Jeder gibt es eine nette Veranda. Privatsphäre ist nur sehr spärlich zu finden, denn kein Familienmitglied hat einen ganzen Raum für sich. Das Klo und die Dusche befinden sich in einer düsteren Wellblechhütte. Direkt daneben fliesst ein kleiner Bach vorbei, woraus die Familie Trinkwasser schöpft und – etwas weiter unten natürlich – die Kleidung wäscht.
Auf einem Hügel dahinter hat die Familie eine kleine Farm, auf der Bananen, Süßkartoffeln und anderes Obst und Gemüse angebaut wird. Dies verkaufen sie an einem zusammengezimmerten Holz-Stand am Straßenrand.
Wir wohnten mit der Großmutter und ihrer Enkelin in der Zweit-Hütte und schliefen auf Bastmatten auf dem Boden.

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Die Familie
Insgesamt wohnten 4 Generationen dort zusammen. Das jüngste Familienmitglied ist Terrys Tochter, um die 5 Jahre alt; das älteste die Großmutter von Terrys Mann, um die 93 Jahre alt. Während die Eine ihre Tage auf einem Schaukelstuhl auf der Verande verbrachte, besuchte die Andere die Schule und wollte uns mit ihren Rechenkenntnissen beeindrucken. Terry selbst kam ursprünglich aus der Stadt und fühlte sich nicht so ganz wohl, irgendwo am Straßenrand zu leben, doch sie hatte keine andere Wahl, da die Frauen in die Familie des Mannes eingeheiratet werden und dann mit dieser zusammenleben. Terrys Mann führte die Farm, welche das Haupteinkommen für alle beschaffte. Sein Vater las fast immer Zeitung oder sah fern, seine Mutter war streng gläubig und marschierte jeden Tag in der Kirche einige Kilometer weiter nördlich.
Außerdem gehörten zwei Kühe zur Familie, die Tag und Nacht im Garten rumstanden.


Das Essen
Ein Homestay bedeutet unter Anderem das lokale Essen auszuprobieren. In diesem Fall war es etwas gewöhnungsbedürftig. Zwischen Frühstück, Mittagessen und Abendessen wurde kulinarisch nicht unterschieden: Das Essen reichte von Süßkartoffeln, Fisch und Kokosnuss-Reis über Rochen-Suppe (ehrlich!) bis hin zu Zuckerrohr und Brotfrucht, egal zu welcher Tageszeit. Die beiden letzteren hatten wir noch nie zuvor probiert und wurden positiv überrascht. Trotzem konnte ich mich nicht daran gewöhnen zum Frühstück Fisch zu essen und blieb dann lieber bei der Brotfrucht.
Abends gab es natürlich Kava en Masse. Gelegentlich kamen auch andere Verwandte von weiteren Straßenrand-Hütten und gesellten sich zu uns um die Kava-Bowl. Und dann ging das Bechern los…


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Der Alltag
In Fiji auf dem Land zu wohnen bedeutet allgemein gesagt Nichts zu tun. Terrys Mann muss zwar auf seiner Farm arbeiten, doch für den Rest der Familie bleibt nicht viel zu tun. Trotzdem wird früh morgens aufgestanden und gegessen. Zwischen den Mahlzeiten geht es wieder schlafen, fernsehen, Zeitung lesen oder die Wäsche machen. Terry war froh uns die Umgebung zeigen zu können, mit uns schwimmen zu gehen und uns die traditionelle Art des Wäsche Waschens am Wasserloch beizubringen. So hatte sie nämlich etwas zu tun. Der alte Farbfernseher, auf dem man aus meterweiter Entfernung die einzelnen Bildpunkte ausmachen kann, sorgt immerhin für etwas Unterhaltung, es laufen auch amerikanische Serien. Da es während wir zu besuch waren gegen 5 Uhr dunkel wurde und es dann nicht anderes mehr zu tun gab, als zu Essen und sich dem Kava hinzugeben, ging man auch ziemlich früh schlafen.


Rückblickend war dieser Home-Stay wunderbar. Terry kümmerte sich liebend um uns und sie war wirklich traurig, als wir Abschied nehmen mussten. Einen derart tiefen Einblick in eine so andere Lebensweise bekommt man einfach nicht oft!

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