Australien

Salat wohin das Auge reicht – Farmarbeit in Australien

8. November 2014

An Neujahr um halb 6 Uhr morgens in Eiseskälte auf einem Salatfeld stehen und Unkraut jäten? Nicht gerade Jedermanns Vorstellung den ersten Tag des neuen Jahres zu begrüßen. Unsere ganz sicher auch nicht, trotzdem fiel der 1. Januar diesen Jahres bei uns so aus.Bevor wir uns auf einer Salatfarm der Firma Australian Fresh Salads kennenlernten, waren wir beide getrennt mit einem Working Holiday Visum in Australien unterwegs und nach einem guten Monat im Land ging mir langsam das Geld aus. Also musste Arbeit her und zwar so bald wie möglich.

Auf dem Weg nach Melbourne landete ich zufällig in einem Working Hostel in Maffra, einem 4000-Seelendorf. Mit nur 300 AUD auf dem Konto hatte ich keine andere Möglichkeit, als mich von den Hostelbesitzern, die den Hostelbewohnern auf den Farmen in der Umgebung Arbeit verschafften, auf die Liste der Salatfarm schreiben zu lassen. Nun hieß es warte. Es stellte sich heraus, dass Jeder zu Beginn warten musste bis Jemand die Salatfarm verließ oder gefeuert wurde – im Schnitt 2 – 6 Wochen.

Exakt nach 2 Wochen ausschlafen, rumgammeln, nichts tun, langweilen kam der lang ersehnte Anruf: Montag könnte ich anfangen! Ich fand noch ein herrenloses Paar Gummistiefel und deckte mich im Second-Hand-Shop mit warmen Klamotten ein, dann war ich bereit mein Kontostand wieder in die Höhe zu treiben!Jeder Anfang ist schwer. Auch meiner auf dieser gottverdammten Farm. Mit ca. 30 anderen Backpackern, die ich alle aus Maffra schon kannte, hieß es jeden Morgen um 5.30 anzufangen. Bis 13.30 Uhr ging ein Arbeitstag – 7 Tage die Woche. Insgesamt konnte man eine 15-min-Pause und eine 30-min-Pause genießen. Und da war Franco. Franco ist Argentienier mit schlechtem Englisch. Er war der Supervisor, der Einem die Aufgaben gab, die Arbeit kontrollierte und gerne immer mal wieder Backpacker feuerte. Die ersten Stunden jeden Morgen verbrachten wir mit Hand Harvest: Die Salatköpfe mit einem Messer schneiden, damit eine Kiste nach der Anderen füllen und diese wiederrum auf einen Anhänger laden. Danach gings ans Unkraut jäten. Man bewegt sich dabei langsam eine 400m-Salatreihe entlang, dann folgt die nächste. Und das den ganzen Tag lang. Klingt ganz chillig, dachte ich zumindest.
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Leider gehörte ich von vorn herein nicht zu Francos Lieblingsarbeitern und stand unter Dauerbeobachtung. Ich wurde mehrmals verwarnt, er möchte mich nicht noch ein mal aufrecht stehen sehen, ich solle konstant gebückt sein. Außerdem kontrollierte Franco meine gemachten Reihen täglich und fand immer etwas an meiner Arbeitsweise auszusetzen. Die Anzahl an Schmerztabletten, die ich davor in meinem Leben eingenommen hatte konnte ich an der Hand abzählen – bis Maffra. Ohne Schmerz- und Koffeintabletten war die erste Woche nicht auszuhalten.

Glücklicherweise wurde ich nicht gefeuert. Die 4 Anderen, die mit mir angefangen hatten, waren nach und nach nicht mehr auf der Farm erschienen. Mein Rücken gewöhnte sich an die Arbeit und ich freute mich jede Woche auf den Zahltag. Immerhin verdienten wir 21 Dollar pro Stunde. Das ist in Australien zwar nur der Mindestlohn, trotzdem aber rund 14 Euro. Und mit 56 Stunden in der Woche kamen wir alle zu einem ganz netten Gehalt. Francos Aufmerksamkeit wurde von den Neulingen eingenommen und ich konnte unbeobachtet arbeiten.

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Ab der zweiten Woche machte sich trotz Ipod die Langeweile breit und die Arbeit wurde ab den Mittagsstunden unerträglich. Man arbeitete zwar in Paaren, jeder auf einer Seite der jeweiligen Reihe, aber nach 2 Tagen hat man alle interessanten Gesprächsthemen durch. Zudem wurden die Nachmittage immer heißer, die Jungs arbeiteten oben Ohne, wir Mädchen manchmal sogar barfuß. Manchmal hatte es schon morgens um 5 Uhr an die 30 Grad, was sich gegen Mittag hin bis auf 40 Grad steigerte.
Sobald Chris und ich zusammen arbeiteten, wurde es natürlich wieder erträglicher.
Nach einiger Zeit dämmerte es uns auch, dass die Organisation der Farm unter aller Sau war, Franco null Ahnung von Salat hatte und wir waren uns sicher, dass es uns besser gelingen würde die Farm zu führen. Außerdem schmiedeten wir Pläne, zusammen weiter zu reisen und träumten von einem Abstecher nach Fiji.

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Einmal fragten Chris und ich Franco ganz lieb nach einem freien Wochenende und bekamen 3 Tage frei. Das nutzten wir und fuhren nach Melbourne. In meinen insgesamt 80 Tagen auf der Farm, hatte ich 4 frei. Das war zwar hart, aber es gab schließlich gut Geld. An Weihnachten durften alle zu Hause bleiben; Neujahr mussten wir allerdings antanzen. Immerhin gab es double paid dafür!
Die Arbeit an sich war nicht gerade spaßig, dafür war es umso schöner, dass so viele Backpacker aus aller Welt dort arbeiteten und man mit ihnen zusammen wohnte. So lernte man eine ganze Reihe lustiges, interessanter, lächerlicher und langweiliger Leute kennen, mit denen man im selben Boot saß. Und ein Schwimmbad hatte Maffra auch- so gab es zumindest eine sinnvolle Art sich die Nachmittage zu vertreiben.

Wie froh war ich als diese 10 Wochen Vergangenheit waren! Hätte ich nur damals schon gewusst, dass ich einige Monate, eine Fiji-Reise und einen Autokauf später erneut für Australian Fresh Salads – diesmal auf einer Farm in Queensland- arbeiten würde… Glücklicherweis ging es dort um Einiges vernünftiger zu und nach 6 Wochen hatten wir genug Geld zusammen um die letzten 3 Monate in Down Under zu finanzieren. Und ich habe genug Farmtage zusammen um mir irgendwann ein zweites Working Holiday Visum zu holen.

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