Dschibuti

Von Drogen, Tee und Marktverkäufern

13. November 2014

Kleines Sammelsurium von Erinnerungen an die Dschibutireise 2013

Khat

Egal ob wir durch ein abgelegenes Wüstendorf oder durch die Hauptstadt fuhren: Überall traf man auf die sogenannten Khat-Frauen. In ihren bunten Gewändern stehen und sitzen sie im Schatten am Straßenrand, die Khat-Sträucher auf einem zusammengezimmerten Tischchen vor sich ausgebreitet, und warten auf Kundschaft.Khat ist ein Rauschmittel, welches man in Jemen, Äthiopien, Somalia und Dschibuti finden kann. Die Blätter des Strauchs werden zerkaut und dann eine Weile im Mund aufbewahrt. Der Anblick eines Khat Kauenden ist in der Tat sehr gewöhnungsbedürftig. In Dschibuti wird Khat ausschließlich frisch verkauft und ist somit relativ teuer. Trotzdem scheinen die Preise die Kunden nicht abzuschrecken, eher im Gegenteil: Die Khat-Kultur ist Alltag in Dschibuti und jeden Zweiten trifft man mit den besagten Blättern im Mund an. Unser dschibutischer Guide bot uns bei längeren Autofahrten alle paar Stunden eine Cola-Pause an – und verschwand dann jedes mal kurzerhand um sich mit neuem Khat einzudecken.IMG_1746


Tee/Chai


Eine typische Sache für Dschibuti ist der Tee. Jeden Tag trinkt der Dschibutier Tee – während die Sonne auf ihn herunterbrennt. Doch bekanntlich erfrischen Heißgetränke ja gerade bei Hitze. Meist ist es schwarzer Tee mit Zimt und einem gefühlten Kilo Zucker. Davon werden, wie es sich in Ostafrika gehört, 3 kleine Tässchen getrunken. Mehr oder weniger gelten als unhöflich. Ob bei den Nomaden oder im Camp, Tee gab es einfach immer. Ich weiß noch, einmal saßen wir in einem Café in Dschibuti Stadt und mein damals 9-jähriger Bruder wollte unbedingt Eistee. Er fragte die Bedienung nach Lipton Eistee und sie verkündete, ja, den hätten sie da. Wir waren etwas überrascht und mein Bruder glücklich wie eh und je. Doch anstatt eines Eistees bekam mein Bruder ein Kännchen heißes Wasser und zwei Teebeutel serviert – für ihn definitiv ein Grund um in Tränen auszubrechen.

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Lac Abbé


Wie eine spukige Mondlandschaft erstreckte sich die Landschaft des Lac Abbé vor uns. Der im Westen des Landes gelegene See befindet sich zur Hälfte in Dschibuti und zur Hälfte in Äthiopien. Bis zu 50m hohe Kalksteingebilde und rauchende Thermalquellen zieren die Umgebung und das Volk der Afar lässt sich beim Zusammentreiben der Ziegenherden beobachten. Am See selbst halten sich im Morgengrauen unzählige Flamingos auf. Auf mich wirkte der Lac Abbé extrem surreal, vor allem in der Abenddämmerung. Kein Wunder, dass der Lac Abbé als Drehort für „Planet der Affen“ benutzt wurde, wie unser Fahrer uns stolz erklärte.

Sternenhimmel in der Wüste

Ein Gefühl, welches ich nie vergessen werde, ist das Gefühl unter dem Sternenhimmel in der weiten Wüste zu schlafen. Sobald die Nächte zu warm wurden, schoben wir unsere Bettgestelle vor die Strohhüttchen und genossen den Anblick der Unendlichkeit über uns sowie den leichten Windzug. Ich habe noch nie einen so intensiven Nachthimmel gesehen! Nur, dass man morgens dann entweder viel zu früh vom Sonnenaufgang geweckt wurde oder sonst, wenig später, in Schweiß gebadet unter der prallen Sonne aufwachte gefiel mir nicht.IMG_2089


Polizei und aufdringliche Verkäufer


Natürlich gibt es auch weniger erfreuliche Erinnerungen an meine Reise. Zum Beispiel, als in einem Dorf ein Steinchen, durch den Reifen eines entgegenkommenden LKWs, unsere Windschutzscheibe traf. Unser Fahrer drehte sofort um und stoppte den LKW um mit dessen Fahrer zu sprechen. Sofort umgab eine Traube lauter, wild diskutierender Männer unser Auto. Wir konnten die Situation nicht einschätzen, da wir keinen der Männer verstanden und konnten nichts tun außer das Spektakel anzusehen und zu hoffen, dass die Situation nicht eskalierte. Unser Fahrer wirkte unglaublich wütend. Schlussendlich war ein Umweg zur örtlichen Polizei unausweichlich.
Oder als wir bei einem Rundgang des Marktes in Dschibuti Stadt den Preis für Stoffe verhandelten und sich immer mehr Stoffhändler zu uns gesellten.m Plötzlich zog mein Vater uns alle weg, da sich wohl ein Mann mit einem Messer am Rucksack meiner Mutter zu schaffen gemacht hatte. Obwohl wir uns davon machten, verfolgten uns zwei Verkäufer und wollten uns hartnäckig irgendetwas andrehen. Sie folgten uns bis in die Gassen der Stadt hinein und wurden so aufdränglich und unheimlich, dass mein Vater ihnen mit der Polizei drohten musste, erst dann ließen sie uns in Ruhe.


Deutsche Bundeswehr


Unsere letzten Nächte in der Hauptstadt verbrachten wir im Sheraton Hotel. Außer uns waren wenige Touristen dort, dafür um so mehr Soldaten der deutschen Bundeswehr. Seit 7 Jahren ist die Bunderwehr dort stationiert und man sieht die jungen Männer und Frauen tagtäglich in ihren Uniformen – sogar wenn sie auf den Liegestühlen am Pool liegen! Einer erzählte uns, er wäre lieber in einer Kaserne untergebracht statt im Hotel. Für diese langfristigen Gäste gibt es extra deutsch-sprachiges Fernsehprogramm: Spielfilme, Nachrichten und Reportagen (ausschließlich über Übungen und verschiedene Abteilungen der Bundeswehr). Abends gab es gelegentlich Live-Musik, aber sonst schienen die Soldaten in Dschibuti nicht viel zu tun.

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Das Laufen


Während wir uns (mehr oder weniger) bequem mit einem Auto durch Dschibuti fortbewegten, mussten viele Andere den Weg zu Fuß bestreiten. Immer mal wieder gingen Gruppen von Einheimischen am Straßenrand entlang – manche zum Einkauf in die nächstgrößere Stadt, andere durch ganz Dschibuti gen Norden. In der prallen Sonne, einige wenige mit Eseln oder anderen Lasttieren, in Sandalen. Ich fühlte mich selten als Touristin so unwohl wie wenn wir wieder an einer Gruppe vorbei ratterten. Touristen werden in Ländern wie Dschibuti schon etwas besonders behandelt. Viele freuten sich und wollten mit uns sprechen oder grüßten uns. Es wurde immer über die schönen Seiten des Landes gesprochen und wir sollten ein positives Bild von Dschibuti bekommen. Man vergisst dann schnell, dass das Leben dort eben auch andere Seiten bereit hält. In genau diesen Momenten im Auto aber wurde mir immer wieder klar, dass meine Lebensweise ganze Welten von der dieser Menschen entfernt liegt.



Meine schönste und intensivste Erinnerung bleibt aber trotzdem das Schnorcheln mit Walhaien bei Ghoubet.

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