Eritrea

Ein Spaziergang durch Asmara

9. November 2014

Eritrea – Nicht selten bekommt man den Namen dieses ostafrikanischen Landes in den Nachrichten zu hören – meist, wenn es um das Thema Flüchtlinge geht. Doch wie sieht es aus in diesem Land, welches einst italienische Kolonie gewesen war und einen 30-jährigen Bürgerkrieg hinter sich hat? Ich war im Jahr 2012 mit meiner Familie dort und konnte mir ein eigenes Bild von Eritrea machen. Allein Asmara, die Hauptstadt, hat viele verschiedene Facetten und einige stechen schon bei einem kleinen Rundgang ins Auge.

Stopp 1: Die berühmte „Fiat Tagliero“

Asmara ist bekannt für seine berühmte „Fiat Tagliero“, eine Tankstelle aus den 40er Jahren, also aus der Zeit der italienischen Kolonialherrschaft. Für die damalige Zeit ist sie eine architektonische Meisterleistung und sticht Jedem sofort ins Auge. Zu dem Zeitpunkt unseres Besuches war sie leerstehend und eingezäunt. IMG_8419


Stopp 2: Cinema Roma

Der nächste Halt galt dem Cinema Roma, welches ebenfalls in den 40ern erbaut wurde. Seine roten Sitze und die noch überbliebenen Leuchter lassen den Besucher nicht im geringsten erahnen sich in Afrika zu befinden. Jeden Samstag ist das Kino bis auf den letzten Platz besetzt – es werden nämlich die Spiele der Premier League übertragen.

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Stopp 3: Medeber Markt

Als wir den Medeber Markt mitten im Zentrum Asmaras betraten fanden wir uns in einer anderen Welt wieder. Hier wuselte es von Eingeborenen in Blaumännern, mit Werkzeugen, Schweißgeräten, Möbeln, Autoreifen und Holz auf dem Arm. Wo man auch hinsah, eine Werkstatt neben der Anderen! Der Medeber Markt ist eine Art Recycling-Markt. Hierher werden alle alten Gegenstände gebracht und zu neuen verarbeitet. Das kann Alles sein, von Fahrrädern über Tischchen zu Töpfen und Schubkarren. Am Rand saßen einige Frauen und verkauften Chilis und Gewürze. Der Markt sprühte nur so vor Produktivität und Kreativität! Da wir die einzigen Ausländer dort waren wurde uns fleißig zugewunken und man stellte uns die neu kreierten Produkte stolz vor. Ein ziemlich lauter und wuseliger Ort und definitiv beeindruckend!
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Stopp 4: Der Tiermarkt

Jeden Samstag findet am Rande der Stadt ein Tiermarkt statt. Hier kommen Landsleute aus allen Regionen her um ihre Tiere zu verkaufen oder sich neue anzuschaffen. Dort geht es zu wie auf dem Jahrmarkt! Ziegen, Rinder, Schafe und Kamele laufen wild durcheinander. Ihre Besitzer sind fast ausnahmslos männliche Eritreer in muslimischem Gewand. Ein Anblick wie im Bilderbuch! Ein Schaf kostet umgerechnet 25 bis 50 US-Dollar. Ein Rind etwa 1000 Dollar – ziemlich teuer sogar für einen Lehrer, denn dessen Monatsgehalt geht nicht über 100 Dollar hinaus…Wir taten nicht mehr als dem Schauspiel zuzusehen: Es wurde heftig gefeilscht, diskutiert, gelacht und gequatscht. Der Markt gilt eben auch als sozialer Knotenpunkt, wo man sich trifft und austauscht.
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Stopp 5: Der Lebensmittelmarkt

Nicht selten stößt man im Internet auf die Aussage, dass Dürre und eine schlechte Politik Hungersnöte in Eritrea auslösen würden. Der Lebensmittelmarkt Asmaras machte allerdings keinerlei Anzeichen auf einen Mangel an Nahrungsmitteln: Tomaten, Zucchini, Kohl, Organgen, Bananen, Guaven und andere Obst- und Gemüsesorten waren zu hohen Stapeln aufgetürmt. Auch Getreideprodukte und Getreide selbst konnte man in Mengen erwerben. Das Angebot und die Vielfalt der Nahrungsmittel war riesig! Hier waren mehr Frauen zu sehen – sowohl hinter als auch vor den Marktständen.
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Stopp 6: Café Vittoria

Wenn die Eritreer eine Sache von den Italienern gelernt haben, dann ist es die Kunst des Kaffee-Machens! In vielen der schönen, alten Häuser Asmaras sind kleine Café-Bars zu finden, meist im 50er/60er-Jahre Stil eingerichtet. Wir legten eine Pause im Café Vittoria ein. Der Cappuchino schmeckte außerordentlich gut und man konnte eine Reihe von süßem Gebäck kaufen. Die restlichen Tische waren von Eritreern aller Altersklassen belegt, die Zeitung lasen und dabei ihren Kaffee genossen. Die Cafés sind ein wunderbarer Ort zum ausharren und beobachten. Manche haben sogar einen kleinen Hinterhof. Während unserer Zeit in Asmara landeten wir mindestens ein Mal täglich beim Kaffee trinken in einer dieser Unzähligen Cafés.
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Stopp 7: Der Panzerfriedhof

Letzter Stopp war der Panzerfriedhof, ebenfalls am Rande der Stadt. Hier stapelte sich eine Unmenge alter Panzer und Militärfahrzeuge der äthiopischen Armee. Diese waren nach dem Krieg in ganz Eritrea verteilt hinterlassen worden und wurden hier her gebracht. Inzwischen wuchsen schon Kakteen und andere Pflanzen um sie herum. Wir staunten nicht schlecht als wir mitten auf diesem Gelände einen alten, deutschen Bus mit der Aufschrift „Schultheis Pilsener – Das Bier mit der naturfrischen Würze“ zu sehen bekamen! Auf dem Rückweg bemerkten wir, dass sich einige Familien neben dem Friedhof niedergelassen hatten und in heruntergekommenen Containern lebten.

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1 Kommentar

  • Reply Andzi 7. August 2016 at 19:47

    Hey! Erst einmal muss ich loswerden, wie schön der Blog ist – tolle Fotos und Beiträge! Jedoch ist der Hauptgrund, aus dem ich hier kommentiere ein anderer: mir ist beim lesen des Eintrags hier besonders ein Wort aufgefallen: Eingeborene. Jedenfalls habe ich mich gefragt, warum du es verwendest und ob du es auch in Spanien benutzen würdest. Ich finde das ein sehr negativ belastetes Wort, das ich mit Rassismus und Vorurteilen assoziiere. Hoffe ich konnte ein Denkanstoß geben. Wünsche euch alles, alles Liebe und tolle Erfahrungen beim weiteren Reisen 🙂

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