Nepal

Annapurna Circuit Part 3 – Auf dem Weg zum Thorong La Pass

12. April 2015
Annapurna Circuit Tag 8 bis 10: Manang (3540m) –  Ledar (4200m) – High Camp (4925m) – Thorong La Pass (5416m) – Muktinath (3760m)

Nach den zwei Tagen Akklimatisation in Manang stand dann der Aufstieg nach Ledar bevor.

Beim Frühstück lauschten wir einer Gruppe, die aus einem Mädchen und drei Jungs bestand. Sie redeten über den bevorstehenden Aufstieg und das Mädchen meinte, dass sie schon jetzt vorsorglich 8 (!) Tabletten jeden Tag schlucken würde – 3 mal Diamox und jegliche Art von Schmerztabletten. Sachen gibt’s.
Eigentlich soll man beim Aufstieg keinerlei Art von Schmerztabletten nehmen, da sie die Symptome der Höhenkrankheit unterdrücken können, was dazu führt, dass man weiter aufsteigt und sich somit in Lebensgefahr begeben kann.
Denn es gibt eine einfache Regel, was dieses Thema betrifft: Fühlt man sich gut steigt man auf – fühlt man sich nicht gut bleibt man auf der Höhe auf der man sich befindet, verschlechtert sich der Zustand muss man absteigen.

Wie schon die Tage zuvor versuchten wir viel zu trinken um die Akklimatisation so gut wie möglich zu überstehen.
Und das funktionierte heute auch wieder ausgesprochen gut. Der Weg war zwar anstrengend und wurde mit jedem Höhenmeter anstrengender, jedoch kamen wir recht gut voran und erreichten ziemlich schnell das aus zwei Häuser bestehende Ghusang auf 3950 Metern. Von dort aus führte ein relativ ebener Weg weiter nach Yak Kharka auf 4050 Metern. Langsam wurde die Landschaft auch komplett kahl und außer Dornenbüschen gab es so gut wie keine Vegetation mehr.

Annapurna G401Blick auf Ghusang


In Yak Kharka angekommen machten wir eine Mittagspause und halfen der Akklimatisation mit einer Knoblauchsuppe auf die Sprünge. Diese soll angeblich Wunder bewirken. Wir hatten zwar keinerlei Anzeichen in Form von Kopfschmerzen oder Ähnlichem, jedoch kann man ja nicht gut akklimatisiert genug sein! Glücklicherweise isst fast jeder Trekker hier Knoblauchsuppe und wir mussten uns keinerlei Gedanken bezüglich des Gestanks machen.

Nach dem Mittagessen folgte ein längerer Anstieg nach Ledar. Zwar war dieser nicht steil, durch die dünne Luft, den dicken Schnee und der warmen Sonne jedoch anstrengend genug. Wir versuchten zügig voran zu kommen und somit war der Tag nach 6 Stunden und 30 Minuten geschafft.

Annapurna G409


Unser Guesthouse in Ledar bestand aus kleinen Bungalows. Außer uns waren hier noch zwei ältere Spanier mit einem Guide. Wir unterhielten uns mit dem Guide und tauschten uns über die nächsten Tage und den Verlauf des Treks aus. Einer der Spanier war Arzt und hatte ein kleines, piependes Gadget dabei, so etwas ähnliches wie ein Blutdruckmessgerät. Jedoch war dieses Gerät dafür da anhand des Pulsschlages die Sauerstoffkonzentration im Blut zu überprüfen. Damit ließ sich ermitteln wie gut man akklimatisiert ist. Abends baten sie uns es auch zu testen. Der Arzt meinte dass man für den Pass mindestens eine Konzentration von 80% benötige. Alles darüber wäre gut, alles unter 75% schlecht. Wir beide hatten jeweils schon heute über 80%, was uns optimistisch bezüglich des High Camps stimmte.
Heute begannen wir jeweils eine halbe Tablette Diamox morgens und abends zu nehmen, um möglichst gut akklimatisiert zu sein. Durch das Diamox wird nochmals der Harndrang verstärkt, sodass ich an diesem Nachmittag mindestens 20 Mal pinkeln gehen musste. Naja, der Akklimatisation zuliebe!

Annapurna G410Unsere Unterkunft in Ledar


Gegen 7:30 Uhr machten wir uns auf in Richung Thorong Phedi, dem „Base Camp“ auf 4450m.
Viele Leute laufen von Manang aus nur nach Yak Kharka und von dort nach Thorong Phedi. Bei dieser Kombination bleibt man unter der Maximalgrenze von 500 Höhenmetern Aufstieg am Tag. Mehr sind nicht empfohlen, um eine optimale und erfolgreiche Akklimatisation zu gewährleisten. Ist man gut akklimatisiert kann man auch mehr aufsteigen, jedoch ist das von Mensch zu Mensch unterschiedlich und nicht abhängig von Fitness, Alter oder Geschlecht.

Wir hatten jedoch vor im High Camp auf 4925 Metern zu übernachten, um somit am Tag der Passüberquerung weniger Strecke und Höhenmeter meistern zu müssen. Jedoch mussten wir das von unserer Gefühlslage bei Thorong Phedi abhängig machen.

Wieder ging etwa die erste Stunde von Ledar aus ziemlich eben durch den Schnee. Bis die Sonne die Talseite erreichte war es zudem arschkalt, sodass die Hände selbst in den Handschuhen froren und taub wurden. Kurz vor einer Brücke hatten Guides mit einer Schaufel einen steilen Abgang mit Schnee bedeckt, da dieser vereist und sehr gefährlich war. Angeblich hatte sich hier zuvor eine Frau den Arm gebrochen.

Annapurna G414


Nach der Brücke erfolgte ein kurzer, aber auch sehr anstrengender Aufstieg. Durch die dünne Luft kam man ganz schön außer Atem, sodass man die Pause oben angekommen gut gebrauchen konnte.
Von dort aus ging der Weg eben weiter durch eine erdrutschgefährdeten Bereich nach Thorong Phedi. Hier musste man schon achtsam sein, einmal kamen nicht ganz kleine Steine angerollt, welche aber vor dem Weg zum Stehen kamen. Ziemlich schnell kamen wir in Thorong Phedi an. Hier bauten wir eine ausgedehnte Mittagspause ein, sodass wir sheen konnten ob wir den Aufstieg bis hierhin gut vertragen würden. Falls hier einer von uns Kopfschmerzen bekommen hätte, wären wir die Nacht in Phedi geblieben.

Hier trafen wir auf ein älteres deutsches Paar, welches ebenfalls vor hatte zum High Camp aufzusteigen und ebenfalls abwartete, ob sie den Höhenunterschied gut vertragen würden. Es trudelten immer mehr Leute ein und alle hatten vor noch zum High Camp aufzusteigen.

Frisch gestärkt mit Momos und einer Knoblauchsuppe packten wir dann den letzten einstündigen Anstieg zum High Camp an, welcher in der vom Schnee reflektierten Sonne und der unglaublich dünnen Luft nochmals sehr anstrengend war. Immerhin musste man nochmals gut 500 Höhenmeter meistern. Der Weg war auf der Karte nur ein Katzensprung aber er war konstant extrem steil.

Annapurna G418Auf dem Weg von Thorong Phedi zum High Camp


Nach einer Stunde erreichten wir dann endlich das High Camp. Wir waren stolz und erleichtert diese Etappe erfolgreich überstanden zu haben – und das ohne jegliche Anzeichen durch die Höhe! Im High Camp trafen wir wieder die beiden Spanier und ihr Guide, ein Schwede und außerdem noch eine Gruppe bestehend aus drei Deutschen zwischen 40 und 50 mit denen man den Nachmittag im Dining Room verbrachte.

Das Highcamp ist riesig. Insgesamt hat es Platz für ungefähr 150 Leute, eine unvorstellbare Menge wenn man bedenkt, dass die Nepalis hier jede Kleinigkeit hochschleppen müssen, um all die Gäste zu versorgen. Durch einige größeren Gruppen von israelischen Trekkern war das High Camp fast voll belegt. Normalerweise schlafen viele Gruppen unten in Thorong Phedi und somit ist das High Camp nicht immer maximal ausgelastet, heute kam es aber schon an seine Grenzen. Auch deswegen, weil ein Teil des Camps zugeschneit war und somit keinen Platz für weitere Gäste bot.

Annapurna G420Der Ausblick vom High Camp


Der Abend war kurz und wir versuchten früh schlafen zu gehen, denn am nächsten Tag sollte um 3:50 Uhr der Wecker klingeln. Wir bestellten unser Frühstück auf 4:30 Uhr, um anschließend im Dunkeln mit Stirnlampe bewaffnet loszuwandern.

Allgemein ist bekannt, dass man mit zunehmender Höhe unruhiger und schlechter schläft. Die Träume werden immer wirrer. Tatsächlich fühlte sich die Zeit bis man einschlief ewig an und man wachte nachts sehr oft auf. Zudem war der ununterbrochenene Harndrang nicht gerade forderlich für einen ruhigen Schlaf und jedesmal kostete es Überwindungskraft aus dem warmen Schlafsack raus in die Eiseskälte zu gehen.
Die Nacht verging wie im Flug. Am nächsten Morgen rutschten wir beide auf dem Weg zur Lobby erst einmal kräftig auf einer vereisten Stelle aus! Anna fühlte sich außerdem beim Frühstück richtig schlecht. Ich hatte meine Sonnenbrille verlegt und sie glücklicherweise im letzten Moment in den Tiefen meines Rucksackes wieder gefunden – kein optimaler Start in den Tag!

Gegen 5 Uhr brachen wir dann in Richtung Pass auf. Eigentlich hatten wir vor mit den beiden Spaniern zu laufen, die verpassten wir jedoch da wir etwas länger beim frühstücken benötigten.
Zum Glück konnte man durch die Stirnlampen Leute in der Ferne erkennen und somit die Richtung des Pfades deuten, sowieso gab es nur einen Pfad durch den tiefen Schnee.
Es hatte schon etwas extrem abenteuerliches, mit einer Stirnlampe unter dem Sternenhimmel durch die Berglandschaft zu stapfen. Und dadurch vergaß man fast, wie kalt die Temperaturen eigentlich waren.

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Die erste Stunde musste man jeden Meter mit der Stirnlampe ableuchten, bis am Horizont ein wenig Licht die Schneelandschaft erhellte. Es war ein magischer Moment inmitten der schneebedeckten Gipfel zu sein. Und das Gefühl sich dabei auf ganzen 5000 Metern zu befinden verstärkte das alles noch. Nach und nach konnte man durch die aufgehende Sonne die Berglandschaft besser betrachten, bis endlich die ersten Sonnenstrahlen über die Gipfel hinwegleuchteten.

Annapurna G431Kurz nach Sonnenaufgang


Es war nicht mehr möglich zügig zu laufen. Die dünne Luft ließ uns nur schleichend voran kommen . Jedoch war es ein gutes und befriedigendes Gefühl zu wissen, dass man heute auf dem Weg dorthin ist, wo man die ganzen Tage zuvor mühsam aufgestiegen ist – der Thorong La Pass. Mit 5416 Metern ist er einer der höchsten der Welt und die direkteste Verbindung zwischen den beiden Tälern des Annapurna Massivs.

Der Weg dorthin vom High Camp ist an sich nicht sehr anstrengend wäre da nicht die dünne Luft. Es ist ein kontinuierlich ansteigender Pfad, der mit einer angemessenen Geschwindigkeit und ausreichend Pausen leicht zu meistern ist.

Da man den Pass er erst erkennt wenn man oben angekommen ist weiß man nicht genau, wann man es geschafft hat. Vor uns erstreckte sich die weite Schneelandschaft und man arbeitete sich Meter um Meter bergauf. Gerade als man sich sicher war es würde noch eine halbe Ewigkeit dauern, kamen zwei Israelis angerannt und teilten uns mit, dass der Pass nur eine Minute entfernt sei. Endlich waren wir da! 5416 Meter.

Erschöpft aber glücklich legten wir die Rucksäcke ab. Jeder ließ sich vor den Gebetsfahnen und dem Schild fotografieren. Hier oben gibt es sogar ein kleines Teehaus. Mit einem Schwarztee und einem Schlückchen Rum, den einer der Israelis uns in die Hand gedrückt hatte, genossen wir den Moment und freuten über den erfolgreichen Aufstieg.

Annapurna G435


Danach wartete ein endlos langer Abstieg, auf dem man insgesamt über 1600 Höhenmeter zu meistern hatte. Durch den Schnee war dies für viele Trekker eine sehr rutschige Angelegenheit, sodass wir froh über unsere Investition der Crampons waren, mit denen wir immer einen sicheren und rutschfesten Halt hatten. Einigen Trekkern wurde das ständige herumrutschen zu blöd, also setzten sie sich einfach an steilen Stellen auf den Hintern und rutschten so ein Stück des Weges herunter.

Annapurna G440

Der Abstieg wollte einfach nicht aufhören. Durch den Schnee brauchten wir deutlich länger und somit waren wir auch nach drei Stunden noch auf dem Weg ins Tal. Bei jeder kleinen Pause dachte man nur „wann kommt endlich dieses verdammte Dorf!“
Nach ungefähr dreieinhalb bis vier Stunden (mein Handy mit Stoppuhr hatte schon zu Beginn des Tages den Geist aufgegeben) kamen wir endlich in Chaharu auf 4172 Meter an, immerhin hatten wir schon 1300 Höhenmeter des Abstieges geschafft!
Hier wollten wir eigentlich eine Mittagspause einlegen, da uns die Preise hier aber zu teuer waren gönnten wir uns nur eine heiße Schokolade und aßen noch ein paar Kekse, die wir als Proviant übrig hatten.

Dort trafen wir auch wieder die Beiden aus Taiwan, die im gleichen Restaurant ihre Mittagspause einlegten. Wir alle waren so froh den Großteil des Tages bereits hinter uns zu haben. Wir tauschten uns mit dem Guide der Beiden aus und beschlossen in das gleiche Guesthouse in Muktinath zu gehen.
Von Chaharu dauerte es noch ungefähr eine Stunde bis Muktinath. Der Weg führt durch ein weitreichendes Geröllfeld was größtenteils vom Schnee bedeckt war. Somit lief man auf Gut Glück querfeldein und hoffte irgendwo am Pfad wieder anzukommen.
Als dann endlich Muktinath in Sichtweite war waren wir beide erleichtert und freuten uns schon auf das Bett und die Dusche im Guesthouse.
Muktinath ist außerdem ein Pilgerort, welcher von vielen Hindus heimgesucht wird. Dort gibt es ein Kloster, an dem die Pilger sich mit heiligem Wasser waschen.

Annapurna G444Fast geschafft! Blick auf Muktinath


Bevor wir aber endlich an unserer Lodge ankamen mussten wir noch vorbei an ganzen zwei Check – Posts: Der Erste war wieder ein normaler TIMS Checkpost, der zweite dann noch einer von der Polizei. Nachdem wir ungefähr drei Minuten dem Polizisten beim Singen zuhören mussten und er nebenbei ganz gemütlich in Facebook surfte hatte er endlich die Namen in sein Logbuch eingetragen und wir konnten weiter.

Endlich an der Lodge angekommen nahmen wir erst einmal eine wohltuhende Dusche und gönnten uns dann mal zur Abwechslung zu unserem täglichen Dal Bhat mexikanisches Essen.

Wie sich schnell herausstellte wurde die Lodge von vielen Trekkern mit Guide gewählt und somit trafen wir auch die deutsche Gruppe am Abend wieder.
Zusammen konnte man den Tag noch einmal revue passieren lassen. Dadurch, dass man mit dem Pass ein großes Etappenziel erreicht hatte ließ die Motivation auch ein wenig nach, am nächsten Tag wieder früh aufzustehen und lange Strecken zu laufen, sodass der Wecker den Tag darauf mal später klingeln sollte…

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1 Kommentar

  • Reply Sven Jilsoe 21. April 2017 at 11:48

    Vielen herzlichen Dank für den tollen Bericht !!!
    Eure Eindrücke sind sehr authentisch.

  • Kommentieren? Sehr gerne!

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